Deutsche Kinder- und Jugend Stiftung

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) setzt sich dafür ein, dass junge Menschen in unserem Land gut aufwachsen können. Dafür stößt sie Veränderungsprozesse an: in Kindergärten und Schulen, beim Übergang in den Beruf, in der Familien- oder lokalen Jugendpolitik.

© SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH

Wie leben und erleben junge Geflüchtete ihren Alltag in Deutschland? Welche Zukunft sehen sie für sich? Und welche Unterstützung brauchen geflüchtete Jugendliche für den Übergang ins Berufsleben?

In enger Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH entstand eine Studie zur beruflichen Integration von jungen Geflüchteten. Die Besonderheit der Studie: Zum einen gibt es nur wenige empirische Befunde zu diesem Thema und zum anderen wurden die Daten qualitativ erhoben. Zahlreiche Jugendliche kamen zu Wort und insgesamt wurden 80 geflüchtete Mädchen und Jungen befragt. Die Rekrutierung der Jugendlichen erfolgte über die SINUS-Akademie und das -Institut sowie das Netzwerk der DKJS. Die Autoren geben in ihrer Open-Access-Publikation “Deutschland ist das Land der Chancen” Einblicke in die verschiedenen Ausgangssituationen der Jugendlichen, die Durchführung der Interviews und die damit einhergehenden Schwierigkeiten.

Von August 2017 bis Februar 2018 führten Sozialforscher des SINUS-Instituts im Auftrag der DKJS 90-minütige qualitative Einzelinterviews mit Geflüchteten im Alter von 14 bis 17 Jahren. Befragt wurden 31 Jugendliche aus Syrien, 26 aus Afghanistan, 20 aus dem Irak und drei aus Eritrea. Deutlich wurde u. a., dass die jungen Menschen dem Beruf als Vehikel der Integration einen sehr hohen Stellenwert einräumen und Deutschland als ein “Land der Chancen” ansehen. Zugleich sehen sie sich mit erheblichen Hürden bei der Wahl des richtigen Berufes konfrontiert.

Studienleiter und Autor Dr. Marc Calmbach: „Die befragten jugendlichen Geflüchteten sind mit Blick auf ihre Werthaltungen bzw. Mindsets eine heterogene Gruppe – nicht anders als die einheimischen Jugendlichen. Daher unterscheiden sie sich auch in ihren Berufswünschen und -motiven. Allen gemeinsam ist aber der Wunsch nach mehr berufsorientierenden Informationen. Das Wissen um die verschiedenen Zielgruppen kann Beraterinnen und Beratern bei der Berufsorientierung geflüchteter Jugendlicher helfen.“

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung fasst daher fünf handlungsleitende Erkenntnisse zusammen:

  1. Die Informations- und Beratungsangebote müssen mehr die vorhandenen Interessen der Jugendlichen sowie auch ihre Fähigkeiten und Kompetenzen berücksichtigen, die sie außerhalb von klassischen Bildungseinrichtungen gewonnen haben.
  2. Die schriftlichen Informationen über Bildungswege oder Berufe müssen leichter zugänglich sein, denn sie sind häufig in kompliziertem Deutsch verfasst und weder für Eltern noch für Jugendliche verständlich.
  3. Die Jugendlichen brauchen eine glaubwürdige Orientierung durch Gleichaltrige, die in ihren Wunschberufen bereits Erfahrung haben.
  4. Die Bedeutung der Bleibeperspektive für Bildungserfolg und den Übergang in Ausbildung und Beruf ist aus Sicht der Jugendlichen entscheidend wichtig.
  5. Kulturell bedingte Ansichten über einzelne Berufsbilder sollten stärker berücksichtigt werden.

Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung: „Ausgehend von unseren Erfahrungen, die wir in unserer Arbeit für geflüchtete Jugendliche gemacht haben und den Ergebnissen der Studie, zeigt sich, dass der richtige Einstieg in den Beruf von besonderer Bedeutung für die Integration ist.“

Die Veröffentlichung der Studie wurde durch die Heinz Nixdorf Stiftung und das SINUS-Institut ermöglicht und ist eine Open-Access-Publikation.

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